Die blaue Stunde des Tango. Mit Arte di Musica und Nick Benjamin (SWR)

Freitag, 09. November 2007

Informative und humorvolle Zeitreise durch die
Geschichte des Tango. Erzählt vom bekannten TV-Moderator Nick Benjamin und musikalisch dargeboten von Deutschlands Topinterpreten des Akkordeons, dem Duo Arte di Musica - Annegret Cratz und Thomas Rohoska.

Der Tango entstand in den Armenvierteln von Buenos Aires. Nachdem die Diktatur des Juan Manuel Rosas 1852 geendet hatte, strömten zwischen 1880 und 1930 etwa sechs Millionen Einwanderer nach Argentinien. Sie siedelten sich am Rande von Buenos Aires um den Rio de la Plata in Massenunterkünften, so genannten „Conventillos“, an. Hier entstand ein buntes Gemisch aus Europäern, Arabern und Kreolen. All diesen Menschen wurde das verweigert, weswegen sie eigentlich gekommen waren: die Teilhabe am wachsenden Wohlstand. Weder Teilen noch Haben verwirklichten sich für sie. Das brachte eine explosive Mischung aus enttäuschten Europäern und entwurzelten Gauchos hervor. Die so entstandene Identität kompensierte ihr Heimweh, ihre Frustration, ihre Entwurzelung in drei Disziplinen: Wort, Musik und Tanz. Es entstand der Tango ...

Der bekannte ZDF/SWR-Sprecher Nick Benjamin erzählte an diesem Abend unterhaltend und informativ die Geschichte des Tango und seines Siegeszuges um die Welt. Dies gelang ihm nicht nur mit wunderbarer Stimme, sondern mit Herzblut – sagt er doch selbst über diese Musik: „Sie geht mir unter die Haut.“

Benjamin erzählte im Wechselspiel mit Originalinterpretationen durch die beiden Akkordeon-Virtuosen Annegret Cratz und Thomas Rohoska. Das Akkordeon, erläuterte Annegret Cratz augenzwinkernd, sei das älteste Musikinstrument der Welt – „oder haben Sie schon mal ein Instrument mit so vielen Falten gesehen?“ Häufig als Quetschkommode oder gar als „Heimweh-Expander“ bezeichnet, habe es ein gewisses Imageproblem. Wer sich aber auf diese Musik einlasse, sei begeistert. Nick Benjamin bekannte sich denn auch über die Wirkung dieses vielseitigen Instruments: „Ich habe gar nicht genug Haare für meine Gänsehaut.“ Und schon manchmal hätten die Leute in der Kirche – nicht wissend, dass statt der Orgel Akkordeon gespielt wurde – gesagt: “Heute war die Orgel aber schön ...“
Tango also as it’s best!

Übrigens gab es das Programm auch auf CD - zum Vorzugspreis an diesem Abend von 15 Euro, zusammen mit einer Bonus-CD mit einer Zusammenstellung der größten Tangos, gespielt von berühmten „Orquestas“: Francisco Canaro, Juan D’Arienzo, Miguel Caló, Osvaldo Pugliese, Sexteto Mayor und natürlich Astor Piazzolla!

Eine interessante und kurzweilige, von Ulrich Bachmann moderierte Weinprobe rundete den Abend ab.

Veranstaltung war am Freitag, 09. November 2007, 20 h