Drei Jahre Kulturprogramm der Eltviller Vinothek: Helene in Szene. Eine Wilhelm-Busch-Theaterreise

Von und mit Bernd Surholt (Hannover)

"Es ist ein Brauch von Alters her... wer Sorgen hat, hat auch Likör." Zitate von Wilhelm Busch über Wein, Weib und Gesang gibt es genug. Es ist also kein Zufall, dass die Eltviller Vinothek in der Rheingauer Straße 38 vor ziemlich genau drei Jahren zu ihrer ersten Theatervorführung und zu ihrem ersten kulturellen Abend überhaupt ausgerechnet Wilhelm Busch präsentiert hat.

Damals führte der bekannte Schauspieler und Theatermacher Bernd Surholt aus Hannover an zwei ausverkauften und ausgesprochen spannenden Abenden seine Wilhelm-Busch-Theaterreise unter dem Titel "Helene in Szene" in der Vinothek auf. Mit einer szenischen Umsetzung der ironisch-kapriziösen Erzählungen "Der heilige Antonius", "Die fromme Helene" und "Balduin Bählamm zog Surholt das Publikum in seinen Bann. Damit hatte die erst kurz zuvor, nämlich im Juni 2004 gegründete Eltviller Vinothek ihr Vorhaben wahrgemacht, nicht nur dem Rheingauer Wein, sondern auch der Kultur zu huldigen. Der Erfolg gab uns recht: Ein ambitioniertes Kulturprogramm mit Aufführungen aus Literatur, Musik, Kunst und Kabarett gab fortan dem kulturellen Leben im Rheingau neue Impulse. Ausverkauft waren die meisten der vielseitigen Darbietungen. Und die Kritiken sparten nicht mit Lob und Enthusiasmus.

Nun also drei Jahre Kulturprogramm der Eltviller Vinothek. Was lag näher, so dachten wir uns, als zu diesem Jubiläum das Auftakt-Programm noch einmal darzubieten. So lud also die Eltviller Vinothek anlässlich ihres Jubiläums am Samstag, den 22. September um 20 Uhr einmal mehr zu einem vergnüglichen Theaterabend ein - mit Geschichten, die sich durch erstaunliche Aktualität, Humor, Witz und Ironie auszeichneten. Menschliches, Allzumenschliches, wie Eitelkeit, Neid, Schadenfreude, aber auch Bigotterie und zweifelhafte Moralvorstellungen, vom Menschenkenner Busch vor mehr als hundert Jahren klug beobachtet und in der ihm so typischen einfallsreichen Verskunst entlarvend festgehalten, erschienen in der brillanten One-Man-Show Surholts zeitlos. Scharfzüngig, humorvoll und geistreich kreierte Surholt zu Buschs Doppelbegabung als Dichter und Zeichner die dritte Kunstform: Busch als Theaterautor. Bernd Surholt bewegte sich zwischen Schauspiel und Pantomime, er verkörperte Text und Bildergeschichte. Temporeich meisterte Surholt die geschüttelten und mit politischen und gesellschaftskritischen Spitzen gespickten Reime.

Surholt versteht sein Programm als Hommage an einen Philosophen mit pessimistischem Menschen- und Weltbild. Faszinierend und mit treffsicherer Stimmenmodulation und Gestik bringt der begnadete Busch-Rezitator die vielen widersprüchlich gezeichneten Gestalten mit ihren menschlichen Tugenden und Schwächen auf die Bühne. Surholt macht Wilhelm Busch in jeder Figur lebendig und zeigt den gebannten Zuhörern ganz in dessen Sinne das Tragische der Welt im Konflikt und gleichzeitig den Humor als dessen Auflösung.

Sa., 22. Sept. 2007, 20 Uhr